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Marianne Spiller Hadorn

Ich fand es schon immer ungerecht, dass ein so kleiner Teil der Menschheit so viele Ressourcen verbraucht und der andere Teil in Armut leben muss. Ich wollte mich damit nicht abfinden. Konnte es auch nicht.

Schon als Kind wurde Marianne Spiller Hadorn (geboren 1940) hellhörig, wenn ihre Eltern über Armut und soziale Ungerechtigkeit sprachen. Die Psychologin betreute bereits vor ihrer Abreise nach Brasilien Kinder am Rand der Gesellschaft. Gespräche mit Abbé Pierre und Dom Helder Câmara führten dazu, dass sie mit ihrem Mann 1972 nach Brasilien auswanderte, drei Kinder adoptierte und 1979 ABAI gründete. ABAI verfügt heute über ein Tagesheim, Sozialwaisenhäuser, Ausbildungsstätten, führt Präventionsprogramme und Kleinbauernkurse durch, bietet Alkohol- und Drogenfürsorge und ein Gemeinschaftszentrum an.

Egal ob in Rio de Janeiro, Zollikon oder Mandirituba, Marianne Spillers Handtasche ist immer offen, denn "die Leute sollen sich nehmen können, was ich auch habe". Ihre Augen leuchten, wenn sie von ABAI erzählt: "1983 kamen Kinder zu uns, die niemand mehr ernährte oder wollte. Wir nahmen sie auf. So entstanden unsere Sozialwaisenhäuser. In der Region war es damals neu, von ihren Familien verlassene Kinder in kleinen, familienähnlichen Gruppen zu betreuen und mit ihnen zusammenzuleben. Die Sozialwaisenhäuser waren eine Alternative zu den riesigen Armenanstalten, die Kinder wie Nummern behandelten." Seither wird ihre Arbeitsweise vom Staat oft übernommen, denn die Erfahrungen sind positiv. Marianne Spiller hatte schon als Kind gesagt: "Wenn ich groß bin, werde ich zu den Armen gehen, mit ihnen leben und ihnen helfen." 1979 begann ihre Arbeit mit den Straßenkindern. Heute helfen die Kleinen von damals den Kleinen von heute. Alkoholiker/-innen aus der Therapiestation arbeiten im projekteigenen Restaurant und lernen so, sich wieder in der Gesellschaft zu bewegen, brasilianische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden Kinder und junge Erwachsene in der Schreinerei, der Bäckerei oder der Näherei aus und helfen bei den Schulaufgaben. Volontäre/-innen aus Europa helfen dabei. Jeder Mensch ist wichtig, sagt Marianne Spiller, "jeder wird gebraucht und jeder hilft mit". So beim Anbau von Gemüse, denn ABAI versucht den Eigenbedarf selbst zu produzieren für die täglich 130 Mahlzeiten im Tagesheim. Ziel ist, keine Abhängigkeiten, sondern Eigeninitiative zu schaffen. Und ABAI wächst, unterstützt Schwesternprojekte in der Region und über die Grenzen hinaus bis nach Argentinien. So können Inspirationen geteilt, Synergien genutzt und Ideen gemeinsam verwirklicht werden, denn "eine andere Welt ist möglich".

Associação Brasileira de Amparo à Infância (ABAI) (Brasilianischer Verein zur Unterstützung von Kindern) Fundação Educacional Meninos e Meninas de Rua (Pädagogische Stiftung für Straßenkinder) Fazenda da Esperança (Farm der Hoffnung)

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