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Interview mit Kin Chi Lau - Projektleiterin WikiPeaceWomen

Interview mit Kin Chi Lau - Projektleiterin von WikiPeaceWomen

Die Friedensarbeit einer Million Frauen sichtbar machen – das ist das ambitionierte Ziel von WikiPeaceWomen. Das Projekt knüpft an den Gründungsgedanken der Initiative «1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005» an und verschafft dem breiten Spektrum von weiblicher Friedensarbeit internationale Anerkennung. Frieden nicht bloss als Abwesenheit von Krieg, sondern physische Sicherheit, aber auch soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, Menschenrechte und auf kommende Generationen ausgerichtet – dieses holistische Friedensverständnis leitet auch WikiPeaceWomen. Insbesondere Frauen, die in marginalisierten Regionen und in kaum beachteten Konfliktfeldern arbeiten, sollen im freien «Wiki der FriedensFrauen» die verdiente und dringend nötige Sichtbarkeit erhalten. 

Im Interview vom Juni 2017 zieht PWAG-Vorstandsmitglied Kin Chi Lau eine erste Bilanz und spricht über Erfolge und Herausforderungen. 

 Susanne Gfeller, PWAG: WikiPeaceWomen wurde im Jahr 2015 mit dem Ziel initiiert, bis im Jahr 2020 eine Million Biografien von Friedensstifterinnen zu sammeln. Wie ist die Idee für das Projekt entstanden? 

Seit 2005 haben wir die Ausstellung «1000 Gesichter des Friedens» über tausendmal rund um den Globus gezeigt. Als ich eines Tages mithalf, die Ausstellung in Süd-Korea zu präsentieren, kam der Bürgermeister zu mir und sagte: «Gemäss eurem Friedensverständnis haben wir allein in unserer Stadt Tausende Friedensstifterinnen. Die Ausstellung zeigt aber nur sechs FriedensFrauen in ganz Süd-Korea!» Tatsächlich ist es Millionen von Frauen zu verdanken, dass unsere Welt – so gewaltvoll sie leider sein mag – noch nicht zusammengebrochen ist. WikiPeaceWomen will genau diese Frauen sichtbar und ihr immenses Wissen zur Friedensbildung nutzbar machen. 

Wie viele neue Biografien von Friedensstifterinnen wurden bis heute gesammelt? 

In den letzten 18 Monaten konzentrierten wir unsere Kräfte darauf, eine benutzendenfreundliche Webseite aufzubauen, auf der in verschiedenen Sprachen nach Friedensstifterinnen gesucht und neue Frauen nominiert werden können. Zudem haben wir die Biografien zahlreicher ursprünglicher 1000 FriedensFrauen aktualisiert. Bis jetzt sind rund 800 neue Friedensstifterinnen dokumentiert – ein sehr bescheidener Anfang. Nun da die Rahmenbedingungen stehen, hoffen wir, dass das Projekt viele Menschen begeistert und zur Mitarbeit motiviert und ein grosser Erfolg wird! Aufgrund sehr begrenzter Ressourcen verlassen wir uns auf die Tatkräftigkeit von Freiwilligen auf der ganzen Welt.

Von all den bisher gesammelten Biographien, die auf der WikiPeaceWomen-Webseite veröffentlicht worden sind, welche haben dich am meisten beeindruckt und weshalb?

Das ist so schwierig zu beantworten. Sie strahlen für mich alle solch Selbstbewusstsein und Schönheit aus; mit einem Lächeln trotzen sie Mühsal, Armut, Diskriminierung, Gewalt und Krieg. Eines der weiterführenden Ziele von WikiPeaceWomen ist es, auf die vielgestaltige Friedensarbeit von Frauen aufmerksam zu machen, sie nutzbar zu machen und die Frauen untereinander zu vernetzen. 

Wie gelingt euch diese Vernetzung? 

Zum Beispiel in Verbindung mit den von PWAG organisierten FrauenFriedensTischen, wo sich FriedensFrauen persönlich treffen und austauschen. WikiPeace macht die Frauen nicht nur international sichtbarer, es entsteht auch eine wertvolle Datenbank, über die sich Frauen vernetzen können. 

Was sind deine Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft des Projekts? 

Ich hoffe sehr, dass wir das Interesse der jüngeren Generation für das Projekt wecken können. Mein Wunsch ist es, dass sich auch junge Menschen in ihrer Umgebung umschauen und bemerkenswerte Friedensstifterinnen identifizieren – ein Prozess, bei dem sie selbst die Liebe zu Mitmenschen und den Mut, Gewalt entgegenzutreten, multiplizieren