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Corona-Nothilfefonds

«Die Unterstützung hat die Solidarität in den konfliktbetroffenen Gemeinschaften gestärkt»

«Ich hatte kein Geld, um etwas zu kaufen und musste eine Freundin um etwas Reis und Linsensuppe für meine Kinder bitten. Ich machte mir solche Sorgen um sie. In dieser Zeit der Verzweiflung, wenn es schwierig ist, ein paar Mahlzeiten am Tag zu bekommen, habt ihr an uns gedacht und das hat mir enorm geholfen.»

Diese Aussage machte Seema, eine der Hunderten von konfliktbetroffenen Frauen in Nepal, gegenüber unserer Partnerorganisation Nagarik Aawaz. Seema wurde während des 10jährigen Bürgerkrieg gefoltert. Heute zählt sie zu den vielen Frauen, oft alleinstehende Mütter und Frauen aus marginalisierten Gruppen, die sich und ihre Familien als Tagelöhnerinnen durchbringen und gleichzeitig mit den psychischen und physischen Folgen des Konflikts weiterleben müssen. Schon vor der Coronapandemie war es ein prekäres Überleben. Die Pandemie und die damit verbundenen Ausgangssperren haben ihnen nun die Lebensgrundlage geraubt. 

Seema ist eine der Teilnehmerinnen von friedensfördernden Projekten, die wir in Nepal mit Nagarik Aawaz durchführen. In Nepal und in all unseren Einsatzländern stellte die Pandemie uns und unsere Partnerorganisationen vor schwierige Tatsachen: In Anbetracht der Realitäten vor Ort, war es nicht möglich, die Projektaktivitäten wie geplant durchzuführen. Die FrauenFriedensTische mussten in mehreren Ländern vorläufig gestoppt werden. In dieser schwierigen Situation war es uns ein grosses Anliegen, unseren Partnerinnen den Rücken zu stärken und die Teilnehmerinnen in ihrem Überlebenskampf zu unterstützen. Gleichzeitig möchten wir unserem Friedensverständnis gerecht werden: Menschliche Sicherheit ist die Voraussetzung für nachhaltigen Frieden und umfasst auch das Recht auf eine gesicherte Lebensgrundlage.

Gesundheit und Familie im Vordergrund

Aus Solidarität mit den Partnerorganisationen und Projektteilnehmerinnen wie Seema, lancierten wir im Frühjahr einen Corona-Nothilfefonds. Er stellte sicher, dass sie sich während der Pandemie auf den Schutz ihrer Gesundheit und das Überleben ihrer Nächsten konzentrieren konnten, um dann mit voller Kraft den Frieden in ihren Ländern mitgestalten zu können. In Afghanistan, Burundi, der Demokratischen Republik Kongo (DRC), Kenia, Indien, Nepal, den Philippinen und Pakistan: überall wurden mit dem Nothilfefonds möglichst zeitnah und unkompliziert Projekte finanziert, die Frauen und ihren Familien den Alltag erleichterten, ihnen Nahrung und ein Einkommen sicherten – mancherorts auch über das Ende der Pandemie hinaus.

Von Lebensmittelpaketen bis Nähprojekten

In Nepal erhielten Frauen wie Seema Essenspakete oder Bargeld im Rahmen eines sogenannten Cash-Ansatzes, der Empfängerinnen selbst entscheiden lässt, was sie und ihre Familien benötigen. In Pakistan unterstützte unsere Partnerorganisation Tehrik-e-Niswan mehr als 350 Frauen mit Lebensmitteln. In der DRC bildete unsere Partnerorganisation Synergie des Femmes pour les Victimes des Violences Sexuelles 18 Personen aus, vorwiegend Frauen, die in 18 Quartieren in Goma die Bevölkerung über Hygiene- und Schutzmassnahmen gegen Covid-19 sensibilisierten. Auf den lokalen Märkten wurden Gesichtsmasken verteilt und Geldkörbe an langen Stangen, um den Kontakt zwischen Verkäufer*in und Kund*in zu verringern.

In Kenia erhielten 65 von Frauen angeführte und besonders benachteiligte Haushalte in der informellen Siedlung Kawangare in Nairobi Essenspakete, mit Inhalten aus dem lokalen Markt. So wurden auch die einheimischen Marktverkäufer*innen unterstützt. Die Frauen hatten aufgrund der Pandemie ihre meist informelle Arbeit als Haushaltshilfen oder in Firmen im Tieflohnsegment in Nairobi verloren. Diese Unterstützung gab diesen Frauen und ihren Familien eine Atempause, um ihr Leben in der Pandemie neu auszurichten und bewahrte sie davor, ihre Mädchen aus der Not heraus zwangszuverheiraten oder ihr Überleben mit Prostitution zu sichern, erklärte unsere Partnerorganisation Coalition for Peace in Africa (Copa).

In Afghanistan unterstützten wir die Organisation Shuhada, die Cash-Gutscheine an 83 Familien verteilte, mit denen sie auf lokalen Märkten in Kabul Lebensmittel einkaufen konnten. In vielen dieser Familien sorgen Witwen und Tagelöhnerinnen für das Einkommen der durchschnittlich siebenköpfigen Haushalte. Frauen wie die Witwe Bubany, die während des Lockdowns ihre Arbeit als Strassenfegerin verlor und betteln musste, um sich und ihre sechs Familienmitglieder über Wasser zu halten. Auch in Kolumbien wurden Lebensmittel und Hygienekits verteilt. Zudem unterstütze unser Fonds über unsere Partnerorganisation COMUNITAR Frauen, die besonders stark von der Pandemie betroffen sind und die mit COMUNITAR in unseren gemeinsamen friedensfördernden Projekten zusammenarbeiten. Rund 50 von häuslicher Gewalt betroffene Frauen erhielten psychosoziale und juristische Unterstützung. Gemäss Schätzungen nahm die Gewalt gegen Frauen in Kolumbien während der Pandemie um 70% zu.

In einigen durch den Fonds finanzierten Projekten stand die Einkommens- und Ernährungssicherheit im Vordergrund, so auch in Indien. Das «Stitching Hope»-Projekt bildete Frauen in Delhi, Mumbai und im Norden des Landes aus, wiederverwendbare Stoffbinden zu nähen, dessen Verkauf ihnen ein Einkommen sichert. Die Kurse wurden teilweise über Whatsapp-Video geführt und erreichten so die Frauen auch während der Ausgangssperren. In einem Urban-Gardening-Projekt in Kathputli, einem armen Stadtteil von Delhi der vorwiegend von Tänzer*innen, Strassenkünstler*innen und Rickshaw-Fahrern bewohnt wird, lernen die Bewohner*innen in Töpfen Gemüse anzubauen. 80 vorwiegend von Frauen angeführte Haushalte erhalten so Essen und können sich durch den Verkauf von überschüssigem Gemüse ein Einkommen sichern. In diesen «Gardens of Hope» wächst also mehr als nur Gemüse.

Stärkung des Vertrauens

Auch für unsere Partnerorganisationen war es von grosser Bedeutung, dass sie mit dieser Nothilfe das Vertrauen zwischen ihnen und den Projektteilnehmerinnen stärken konnten. Oder wie in Nepal, das Vertrauen der Menschen in den Distrikten in die lokalen Friedensvermittlerinnen («peace facilitators»), die die Frauen identifizierten, die Essenspakete und Bargeld erhalten sollten. «Mit dieser Nothilfe wurden diese Frauen zu vertrauenswürdigen Führungspersönlichkeiten in ihren Gemeinschaften,» schreibt uns Nagarik Aawaz. «Diese Unterstützung hat die Solidarität in den konfliktbetroffenen Gemeinschaften gestärkt und erweitert.»

Unser Statement zur Coronapandemie